Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Prävention kognitiver Einschränkungen und von Demenz rückt zunehmend in den Fokus von Forschung, Gesundheitswesen und Gesellschaft. Neueste Erkenntnisse bestätigen: Kognitive Leistungsfähigkeit im Alter ist kein bloßes Schicksal, sondern stark beeinflussbar durch Lebensstil und Umweltfaktoren. Die Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Ergebnisse der Lancet-Kommission zu Risikofaktoren sowie die FINGER und Maintain-Your-Brain Studienzeigen übereinstimmend: Prävention ist möglich – vorausgesetzt, sie ist frühzeitig, individuell angepasst und multidimensional. Ein ganzheitliches Gedächtnistraining, das kognitive, körperliche, soziale und emotionale Komponenten kombiniert und idealerweise in jungen Jahren beginnt, ist ein zukunftsweisender Ansatz, der eine breite wissenschaftliche Basis hat und als besonders wirksam gilt. Es kann ein zentraler Schlüssel sein, um mentale Gesundheit und Selbstständigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten.

memotio®, das ganzheitliche Interventionsprogramm des BVGT e.V., basiert auf diesen Grundsätzen und stellt ein umfassendes Angebot im deutschsprachigen Raum dar. Probieren Sie es selbst!

 

Die WHO-Empfehlungen zur Demenzprävention

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2019 in ihren Leitlinien zur „Reduktion des Demenzrisikos“ konkrete Empfehlungen formuliert. Diese lassen sich in mehrere Schlüsselbereiche unterteilen:

  • Kognitive Aktivität: Förderung geistiger Leistungsfähigkeit durch Lernen, Gedächtnistraining oder kreative Tätigkeiten.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung (mindestens 150 Minuten/Woche) wirkt schützend auf Gehirnstruktur und -funktion.
  • Gesunde Ernährung: Mittelmeer- und DASH-Diäten wirken entzündungshemmend und kardioprotektiv.
  • Soziale Einbindung: Vereinsamung erhöht das Risiko für kognitiven Abbau deutlich.
  • Management kardiovaskulärer Risiken: Kontrolle von Blutdruck, Cholesterin, Diabetes und Übergewicht.
  • Reduktion von Risikofaktoren: Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und Umweltbelastungen wie Luftverschmutzung.

Diese Empfehlungen bilden die Basis für ein ganzheitliches, präventives Gedächtnistraining.

 

Die aktualisierten Risikofaktoren nach Livingston (2024)

Die renommierte Lancet-Kommission zur Demenzprävention, unter Leitung von Gillian Livingston, aktualisierte 2024 ihre Liste modifizierbarer Risikofaktoren. Diese umfassen nun 14 Einflussgrößen, die gemeinsam über 40 % der Demenzfälle potenziell vermeidbar machen:

Diese erweiterten Risikofaktoren unterstreichen die Notwendigkeit eines umfassenden Ansatzes: Neben klassischem körperlichen und kognitiven Training müssen auch psychosoziale Aspekte, Ernährungsgewohnheiten und die Vermeidung von Schadstoffen integriert werden. Darüber hinaus spielt auch die Sensorik wie Hören und Sehen eine wichtige Rolle.

Die FINGER-Studie: Der Goldstandard für multidimensionale Prävention

Die "Finnish Geriatric Intervention Study to Prevent Cognitive Impairment and Disability" (FINGER) ist eine der ersten groß angelegten, randomisiert-kontrollierten Studien, die den multidimensionalen Präventionsansatz bei älteren Menschen untersucht hat. Über zwei Jahre nahmen mehr als 1.200 Personen mit erhöhtem Demenzrisiko an einem intensiven Lebensstil-Interventionsprogramm mit folgenden Komponenten teil.

  • Kognitives Training
  • Ernährungsberatung
  • Bewegungsförderung
  • Management kardiovaskulärer Risikofaktoren
  • Soziale Aktivierung

Ergebnisse:

Die Intervention führte zu signifikanten Verbesserungen in den Bereichen Gedächtnis, exekutive Funktionen und Verarbeitungsgeschwindigkeit. Das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen bei älteren Erwachsenen mit erhöhtem Demenzrisiko konnte dadurch reduziert werden.

Das FINGER-Modell wurde international angepasst und liefert eine wissenschaftlich überzeugende Evidenz dafür, dass ein integrierter Lebensstilansatz kognitive Verschlechterung im Alter wirksam verlangsamen kann.

Die Maintain-Your-Brain-Studie

Die "Maintain Your Brain" (MYB)-Studie aus Australien ist eine der weltweit größten randomisiert-kontrollierten Interventionsstudien zur Demenzprävention. Über 6.000 Teilnehmende im Alter von 55 bis 77 Jahren wurden drei Jahre lang online begleitet. Ziel war es, durch ein maßgeschneidertes, digitales Lifestyle-Interventionsprogramm Risikofaktoren zu reduzieren und kognitive Funktionen zu erhalten.

Kernelemente des Programms sind:

  • Kognitives Training: Personalisierte Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstrainings
  • Körperliche Aktivität: Bewegungsempfehlungen und -pläne
  • Gesundheitsverhalten: Ernährung, Schlaf, Alkoholkonsum, Stressmanagement
  • Mentale Gesundheit: Online-Coachings zur Depressions- und Angstbewältigung

Ergebnisse:

Die Kombination mehrerer Module zeigte signifikante Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit über den gesamten Zeitraum der Untersuchung. Die MYB-Studie liefert somit eine starke Evidenz für die Wirksamkeit eines ganzheitlichen, auf die individuellen Risikofaktoren abgestimmten Präventionsansatzes.

BrainProtect 2.0-Studie des BVGT

Die Studie "BrainProtect 2.0" (Falkenreck et al., 2023) untersuchte die Wirkung eines 8-wöchigen ganzheitlichen Gedächtnistrainings bei 132 kognitiv gesunden Personen ab 50 Jahren. Die Teilnehmenden wurden entweder einer Interventionsgruppe (wöchentliches Training) oder einer Kontrollgruppe (Gesundheitstipps per Brief) zugeteilt.

Ergebnisse:

Es zeigten sich kurzfristig Verbesserungen in den Bereichen visuelles Gedächtnis, Konstruktionsfähigkeit, Redegewandtheit und Lebensqualität in der Interventionsgruppe. Langfristig (nach 3 bzw. 12 Monaten) verbesserten sich logisches Denken, Denkflexibilität und die Wortfindung.

Allerdings waren diese Effekte aufgrund der kleinen Gruppengröße im Vergleich zu den o.g. großen Studien statistisch nicht signifikant. Dennoch deuten die Ergebnisse auf ein präventives Potenzial unseres Trainings gegen altersbedingten kognitiven Abbau hin.

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